Bezug ab 1. Mai

Das Baugerüst am Neubau in Westtünnen ist mittlerweile verschwunden. - Foto: KottmannDas Baugerüst am Neubau in Westtünnen ist mittlerweile verschwunden. - Foto: KottmannInnerhalb eines Jahres haben die Baufirmen das neue Wohnhaus in direkter Nachbarschaft zur evangelischen Kirche in Westtünnen hochgezogen. Jetzt steht fest: Zum 1. Mai wird der Neubau bezogen. Der Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Hamm (vkm) ist voller Vorfreude.

Ribana Reuter und Lea Nordhaus strahlen über das ganze Gesicht, wenn sie die Baufortschritte in Westtünnen in Augenschein nehmen. So groß ist die Vorfreude auf ihre neue Aufgabe. In direkter Nachbarschaft zur evangelischen Kirchengemeinde und zur Trainingswohnung der Alfred-Delp-Schule ist der 18 Wohneinheiten umfassende Komplex in den vergangenen Monaten gewachsen. Noch stehen einige Innenarbeiten an, damit zum 1. Mai die Wohnungen bezogen werden. Reuter und Nordhaus werden das betreute Wohnen dort federführend begleiten. Reuter als Leiterin, Nordhaus mit der Hauptaufgabe, die Bewohner im Ort zu integrieren. Beide sind einige Jahre beim VKM beschäftigt und dabei in verschiedenen Bereichen des ambulanten Wohnens tätig.

Die Bewohner sind Menschen mit einer geistigen (Anm.: und/oder körperlichen) Behinderung. Es sind Klienten des vkm Hamm. Dessen Mitarbeiter helfen den Menschen, den Alltag zu bewältigen. Dies erfordert eine durchaus intensive Betreuung, sodass vkm-Mitarbeiter rund um die Uhr im Haus zugegen sein werden. Daher wird eine der 18 Wohnungen von den Mitarbeitern für die Nachtbereitschaft „bezogen“. Tagsüber wird diese zudem die Rolle der zentralen Anlaufstelle im Haus einnehmen. Diese Wohnung befindet sich im Erdgeschoss in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang.

Gemeinsam mit SeWo-Mitarbeitern (r.) und Architekt Viktor Nachtigall (Mitte) überzeugten sich Ribana Reuter und Lea Nordhaus (r.) von den Fortschritten des Bauprojekts. - Foto: KottmannGemeinsam mit SeWo-Mitarbeitern (r.) und Architekt Viktor Nachtigall (Mitte) überzeugten sich Ribana Reuter und Lea Nordhaus (r.) von den Fortschritten des Bauprojekts. - Foto: KottmannVon den weiteren 17 Wohneinheiten werden elf von Einzelpersonen bezogen. Sechs Wohnungen bieten Platz für zwei Personen, also für Pärchen, für Wohngemeinschaften oder auch kleine Familien, in diesem Fall behinderte Mütter mit gesunden Kindern. Das Alter der Menschen ist gemischt. Jeder Klient hat eine feste Bezugsperson vom vkm, der sich mit dem Wohnangebot am NRW-weiten Projekt „SeWo –Selbstbestimmtes Wohnen“ beteiligt. Eigentümer der Immobilie ist Patrick Eckardt von der BKV-Baubetreuug.

Viele der Neubürger in Westtünnen sind junge Erwachsene, die erstmals den Schritt in eine eigene Wohnung wagen. Sie ziehen aus dem vertrauten Elternhaus aus. Sie kennen die Wohngegend zum Teil bereits, haben sie doch ein Schuljahr lang die benachbarte Trainingswohnung der Alfred-Delp-Schule besucht. Andere Klienten sind bereits deutlich älter. Sie wurden bislang von ihren Eltern betreut, die aber selbst aus Altersgründen dazu nicht mehr in der Lage sind. Nun folgt der späte Auszug von Zuhause, um die Eltern zu entlasten.

„Der Standort des Wohnhauses ist nahezu perfekt“, findet Ribana Reuter. Die Nähe zu den Räumlichkeiten der Kirchengemeinde, die Nähe zu Kindergarten und Grundschule mit Blick auf die alleinerziehenden Mütter, das ruhige Wohnumfeld in Westtünnen mit allen Nahversorgungsmöglichkeiten – das alles passe perfekt zu diesem Wohnhaus. Und die Aufregung bei den neuen Bewohnern ist entsprechend groß. Mit Freunden und Bekannten kommen sie vorbei, messen die Räume aus, damit die Möbel auch passen. Im Kopf entstehen längst die Bilder, wie ihr eigenes Reich aussehen soll. Die Farbe der Tapeten, die Wohnecke, das Schlafzimmer. „Der Umzug ist halt genauso spannend wie bei allen Menschen“, erklärt Lea Nordhaus und ist sich sicher, dass sich alle hier sehr wohl fühlen werden. Im Neubau mit den schönen, hellen Wohnungen sowieso, aber auch im Wohnquartier Westtünnen.

(Mit freundlicher Genehmigung des Westf. Anzeiger, erschienen am 19. Dezember 2019, Verfasser Jörg Beuning)