Miteinander leben – voneinander lernen

Bald bewohnt: Schon in Kürze werden sich die Klingelschilder am Eingang füllen. - Foto: KottmannBald bewohnt: Schon in Kürze werden sich die Klingelschilder am Eingang füllen. - Foto: KottmannAm Ende geht alles ganz schnell; die Kisten sind verpackt, die Möbel verladen, die neuen Wohnungsschlüssel übergeben. Bis zum Einzug in den Neubau des vkm in Westtünnen mit 18 Wohneinheiten war es ein langer, anstrengender jedoch auch spannender Weg. Anfang Mai nun werden die Wohnungen bezogen.

So sehr sich die Klienten auf den Tag X gefreut haben, war es im Vorfeld für viele ein emotionales Auf und Ab. Auf der einen Seite die Vorfreude auf die neue Wohnung, auf der anderen Seite die Frage: „Was erwartet mich?“ Einerseits die Freude auf Veränderung und Neues, andererseits die Angst vor Veränderung und Neuem.

Matthias war von Anfang an begeistert, von der Idee, nach Westtünnen zu ziehen. Er freut sich auf nette Mieter, auf gemeinsame Aktivitäten und auf die permanente Erreichbarkeit der Mitarbeiter. Bei Matthias kamen nie Zweifel auf, dass der Umzug nach Westtünnen der richtige Weg für ihn ist. So geht es vielen Mietern. Für andere Mieter war der Prozess bis zum Einzug schwieriger. Klienten, die viel Struktur von außen brauchen, benötigten in der Phase bis zum Umzug eine viel intensivere Begleitung.

Für Ulrike war die Zeit von der Planung bis zum Umzug eine echte Herausforderung. Das Gefühl der Sicherheit, das ihr ihre alte Wohnung bot, wechselte ständig mit dem Wunsch nach Veränderung, aber auch mit dem Gefühl der Unsicherheit in bezug auf diese Veränderung. Dieses änderte sich, als Ulrike ihre neue Wohnung zum ersten Mal besichtigen konnte und begeistert war. Zwar waren nicht alle Ängste beseitigt, aber Ulrike war sich sicher, die Herausforderung „ Einzug in eine neue Wohnung“ mit Hilfe ihrer Betreuer annehmen zu können.

Cornelia ist häufig nach Westtünnen gefahren und hat jeden einzelnen Bauabschnitt fotografiert. Für einige Mieter bedeutet der Umzug nach Westtünnen auch, aus dem Elternhaus auszuziehen. Hierbei kommt dem Prozess der Ablösung noch eine ganz andere und wechselseitige Bedeutung zu (Eltern-junge Erwachsene). Viele Bewohner empfinden den Umzug nach Westtünnen als Ausstieg aus ihrem „alten Leben“ oder als Möglichkeit, das eigene Leben neu zu sortieren.

So unterschiedlich die einzelnen Mieter den Prozess von der Planung bis zum Einzug auch empfunden haben, so unterstützte sie alle doch der Gedanke, dass es in Westtünnen eine intensive pädagogische Begleitung, auch in Form einer 24-Stunden Betreuung, gibt. Die Gewissheit der ständigen Erreichbarkeit von der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Alltags- und Krisensituationen wirkt entlastend und stabilisierend. Aber auch für diese ist das Wohnprojekt „Westtünnen“ eine spannende Herausforderung. So begleitet das neuformierte Team unterschiedliche Bewohner, die die unterschiedlichsten Biografien haben. Langejährige Kräfte arbeiten hier mit ganz neuen Kolleginnen und Kollegen zusammen. In einem neuen Team zu arbeiten, bedeutet aber auch, vom „alten“ Team des vkm Abschied zu nehmen. "Wir hoffen, dass wir weiterhin viele gemeinsame Berührungspunkte haben werden und dass die KolligInnen häufig bei uns vorbei schauen", sind sich die wechselnden Mitarbeiter wie Maria Holtkamp-Meyer sicher.

Der Prozess von der Planung bis zum Einzug war sowohl durch viele formale als auch durch ständige konzeptionelle und pädagogische Überlegungen geprägt. Jetzt, da der Umzug ganz kurz bevorsteht, freuen sich alle darauf, die neuen Bewohner begleiten zu können und ihnen durch diese Wohnform ein weitestgehend eigenständiges Leben zu ermöglichen, aber auch in den Situationen an ihrer Seite zu sein, in denen Unterstützung gewünscht und benötigt wird. Ganz getreu dem Motto: "Miteinander leben – voneinander lernen." Alle freuen sich darauf, dieses Leitbild gemeinsam mit allen Bewohnern und KollegInnen mit Leben zu füllen.